Die Brueghel-Familie

GUTTMANN Pieter Brueghel il Giovane, Gli adulatori, olio su tavola circolare

20 Apr Die Brueghel-Familie

Paderborn, Städtische Galerie in der Reithalle Schloß Neuhaus 21. Februar – 21. Juni 2015

Es handelt sich um ein Werk von Pieter Brueghel dem Jüngeren (1564 – 1637/1638) , welches auf einer runden Eichenholzplatte gemalt wurde. Zur Zeit befindet sich das Werk in einer Maastrichter Privatsammlung.
Die für das kommende Jahr geplante Highlight-Ausstellung „Die Brueghel-Familie“ wirft ihre Schatten voraus. Vor wenigen Tagen wurde die erste der ca. 130 Leihgaben in die Neuhäuser Galerie in der Reithalle angeliefert: „Die Schmeichler“ von Pieter Brueghel dem Jüngeren (1564 – 1637/1638). Es handelt sich um ein auf einer runden Eichenholzplatte gemaltes Bild aus einer Maastrichter Privatsammlung.

Auf dem originalen Rahmen steht diese Zeile: „OM DAT DOOR MUNEN SACK VEEL GELTS COMT GESLOPEN DAER OM WORDE ICK VAN AL DE WEERELT IN T GAT GHECROPEN 1592“ („Solange das Geld in Strömen in meinen Beutel fließt, kriecht mir jedermann in den Arsch 1592“). Der ins deutsche übertragene Bildtitel ist also recht „geschmeichelt“ – aber wer wollte hier schon ganz deutlich werden?!

Sprichwörter wie dieses haben zu allen Zeiten eine wichtige Rolle gespielt, und die klassische Antike bediente sich seiner ebenso gern wie die Heilige Schrift. Diese Art der Formulierung wird mit der Zeit zunehmend beliebter und erreicht im 16. Jahrhundert ihren Höhepunkt. Die von Erasmus von Rotterdam bereits im Jahr 1500 veröffentliche „Adagia“, eine Sammlung von rund 800 Redensarten, Maximen und Devisen, erlebt zahlreiche Auflagen. Sprichwörtliche Sentenzen sind wegen ihrer Kürze von lapidarer Schlagkraft und prägen sich dem Geist durch das Bild, das sie heraufbeschwören, anschaulich ein.

Schon Pieter Brueghel d. Ä. bediente sich der Sprichwörter in seiner Malerei auf verschiedenste Weise. Seine Bilder sprechen von den menschlichen Torheiten und Verirrungen, von der verkehrten und sinnlosen Welt innerhalb des Kontextes seiner Epoche. Sein Sohn Pieter Brueghel d. J. folgt in seiner runden „Die Schmeichler“ betitelten Tafel dieser Tradition. Obwohl eher klein im Durchmesser, strahlt das Werk Kraft und Raffinement aus. Die Komposition fügt sich schlüssig in das Tondoformat. Der gekrümmte Rücken der Zentralfigur, die von einer geradezu plastischen Autorität ist, findet ihren Gegenzug in der Biegung des Baumstammes links. Jedes Wesen krümmt sich im Leben nach seiner Art! Und manche Menschen kriechen gar auf allen Vieren zu Boden in Erwartung einer Teilhabe an den irdischen Gütern. Sind sie nicht Gefangene ihrer Selbst, wie sie sich da begierig in das Dunkel der Leibesöffnung schieben? Als Antwort auf die erniedrigende Unfreiheit der Kriecher fliegen zwei Vögel in luftiger Höhe am weiten Himmel.

Brueghels „Schmeichler“ zeigt den Menschen in seiner hemmungslosen Verfallenheit an eine rein irdisch-materielle Daseinsbefriedigung – eine Entlarvung, die uns heute nicht weniger betrifft als die Menschen von damals. Das Entstehungsdatum des Bildes erscheint auf dem Holzrahmen: 1592. Da keinerlei Zweifel an dem Alter des Originalrahmens besteht, kann man dieses Gemälde den ältesten Werken von Pieter d. J. zuordnen.

Weitere Infos unter: www.brueghel-ausstellung.de